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reklov29

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1

Sonntag, 28. November 2004, 15:04

Gardiners Pilgrimage Bachjahr 2000

Während des Kalenderjahres 2000, Sir John Eliot Gardiner, der Chor Monteverdi und des englischen barocken Soloists führte er die Kantaten durch J. S. Bach in über 60 Kirchen in 14 europäischen Ländern auf um den 250. Jahrestag des Todes des Komponisten zu gedenken.
________________________________________

Hier vorgestellt eine gestern neu erworbene CD:



Erschienen im Jahr 2000 zu seiner Pilgrimage Bach 2000.

Eingangssatz der Kantate BWV 72 brilliant gespielt...Titelmusik für Gardiners DVD's zur Pilgrimage 2000.
Die schlichte Oboenstimme und Eingangs-Sinfonia in der Kantate BWV 156" Ich steh mit einem Fuß......"
kann nicht perfekter und stimmlich-.. sinniger umgesetzt werden wie von Gardiner....
Eine herrliche CD Bachscher Musik...............

Grüße aus Spenge
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

reklov29

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2

Donnerstag, 21. Oktober 2010, 01:14

Gardiner seine CD-Veröffentlichungen zur Bach-Cantata-Pilgrimage 2000 mit 2 letzten Alben abgeschlossen

Die „Bach Cantata Series“ vom Label SDG beinhalten 165 Bach-Kantaten für das Kirchenjahr – die innerhalb der Bach-Cantata-Pilgrimage 2000-Tour im Bachjahr 2000 vom Label: Soli Deo Gloria mit 27 CD-Alben veröffentlicht wurden.
Dazu wurden im Kalenderjahr 2000 (Bachjahr 2000) von der DG (Deutsche Grammophon) – vier CD’s mit 14 Bach-Kantaten für das Kirchenjahr in ihrer Eigenregie veröffentlicht und verkauft. Es handelt sich um die fehlenden BWV 72, 73, 82, 83, 94, 105, 111, 113, 125, 156, 168, 179, 199 und BWV 200, die aus rechtlichen Gründen vom Label: Soli Deo Gloria – nicht verkauft werden durften.
Es fehlt nur das BWV 11 "Himmelfahrtsoratorium" als Kantate für das Kirchenjahr dass aus technischen Gründen im Bachjahr 2000 nicht eingespielt werden konnte. Eine Veröffentlichung vom BWV 11 gibt es von der DG (Deutsche Grammophon). Diese CD ist im Oktober 1993 in London – u.a. mit dem Himmelfahrtsoratorium, BWV 11 – von der DG mit Sir Gardiner – EBS und dem Monteverdi Choir – eingespielt und veröffentlicht worden.
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

3

Donnerstag, 21. Oktober 2010, 01:38

Von den verschiedenen "Pilgrimage"-CDs Gardiners habe ich mir (nur) drei Doppelalben gekauft:

Dann wurde mir der Spaß einfach zu teuer - obwohl die Doppelalben, die ich habe, super sind. Kannst Du mir weitere Doppelalben empfehlen, die man haben "muss"? Ohne gleich die gesamte Serie zu kaufen?

Oolong

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4

Donnerstag, 21. Oktober 2010, 09:07

Da antworte ich mal. Obwohl ich den gesamten Kantatenzyklus in der Leusink und der Rilling -Einspielung, danaben eine lange Reihe von Einzeleinspielungen Richters, Herreweghes, Suzukis, Harnoncourts/ Leonhardt und mit den Thomanern schon besessen habe, konnte ich es - nach anfänglichem Zögern- nicht unterlassen, mir den gesamten Gardiner noch zuzulegen. Sehr hilfreich war dabei Volkers dankenswerter Hinweis auf die Subskription im Direktbezug bei Monterverdi u.k. - dies hat mir viel Geld gespart!

Konkret auf Deine Frage geantwortet: Wenn Du Kantaten nur nebenbei mal hören willst, brauchst Du sicher keine vollständige Einspielung, da könnte ein Pasticcio von verschiedenen Interpretationsansätzen bei Deinen Highlights vollauf genügen. ABER wenn Du die Einzigartigkeit von Gardiners Projekt und die Wunder des Bachschen Kantaten- Kosmos erfahren willst, gehts nicht ohne die Gesamtaufnahme.

Gardiners Ansatz gefällt mir dabei ausgesprochen gut, dort wird knackig und begeisternd musiziert und aus meiner Sicht dennoch der geistliche Gehalt der Kantaten mit großer Ernsthaftigkeit gepflegt.

Im HIP- Bereich war also Gardiner meine erste Wahl - ich gebe zu, dass der Vorzug insbesondere vor Suzukis ähnlich guter und eleganter Einspielung, auch mit meiner Liebe zur englischen Chortradition verbunden ist( die Koopman- Aufnahmen habe ich dann nicht mehr probegehört, kann also nichts dazu sagen).

Gruß

Stefan
Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

5

Donnerstag, 21. Oktober 2010, 13:42

Konkret auf Deine Frage geantwortet: Wenn Du Kantaten nur nebenbei mal hören willst, brauchst Du sicher keine vollständige Einspielung, da könnte ein Pasticcio von verschiedenen Interpretationsansätzen bei Deinen Highlights vollauf genügen. ABER wenn Du die Einzigartigkeit von Gardiners Projekt und die Wunder des Bachschen Kantaten- Kosmos erfahren willst, gehts nicht ohne die Gesamtaufnahme.

Lieber Stefan,
meine (spärliche) Rezeption der Bach-Kantaten lief vor der Anschaffung der Gardiner-Doppelalben eigentlich nur über historische Aufnahmen wie etwa Janet Bakers Mitschnitt der Kantate BWV 35 (mit Benjamin Britten) oder Elisabeth Schwarzkopfs Einspielungen der Kantaten BWV 51 (mit Peter Gellhorn), BWV 199 (mit Thurston Dart) und BWV 202 (mit Otto Klemperer). Auf den Suzuki-Zug bin ich nicht aufgesprungen, ich höre immer nur Lobeshymnen über seine Arbeit. Gardiners Projekt fand ich jedenfalls so spannend, dass ich immerhin zu sammeln begonnen habe. Aber diese Menge Musik muss man ja erst mal verdauen! Deswegen kommt für mich eine Gesamtaufnahme eher nicht in Frage, erfahrungsgemäß höre ich ein "handliches" Doppelalbum dann doch eher als einen Koloss mit zig CDs. Ich würde mir z.B. auch nie eine Box mit Einspielungen sämtlicher Händel-Opern anschaffen (das sind mehr als 40 Werke). Lieber peu à peu Einzeleinspielungen zusammentragen, bis man dann nach ca. 20 Jahren vielleicht doch alles beisammen hat.
Herzliche Grüße
Swjatoslaw

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Swjatoslaw« (21. Oktober 2010, 14:53)


kalli

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6

Donnerstag, 21. Oktober 2010, 14:49

auch ich,

liebe gardiner und bach ( gardiner habe ich letztes jahr live in baden-baden gesehen+gehört, mit haydns schöpfung, ich weiß garnicht mehr wie oft es mir wohlig in den rücken gefahren ist - einfach wunder bar !) . von dgg gibt es aus der eloquence serie eine box mit 35 kantaten. für wenig geld viel sehr gutes musizieren. das sind natürlich aufnahmen vor der SDG zeit. davon bestitze ich nur eine ausgabe - allerhöchstes niveau.

gruss

kalli

reklov29

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7

Donnerstag, 21. Oktober 2010, 19:32

Welche SDG-CD könnt ihr mir empfehlen?

Hallo Swjatoslaw,

ich bin bekennender Bach-Fan und stöbere schon einmal nach Neueinspielungen von Bach-Kantaten zum Kirchenjahr. Hier eine absolute Empfehlung auszusprechen, hieße nach einem Sandkorn in der Wüste zu suchen. Jeder Interpret hat seine Stärken und Schwächen, das einmal vorab pauschal ausgesagt.

Wie das ganze Tamino-Forum weiss, bin ich ein bekennender Gardiner-Liebhaber und habe seine Pilgertour während seiner "Bach-Cantata-Pilgrimage 2000" sehr bewundert. Das hat es in der Klassik-Szene noch nie gegeben, dass ein Bach-Interpret sämtliche "Bach-Kantaten im Kirchenjahr" in einem Jahr (im Bachjahr 2000) in Europa und Übersee als Live-Mittschnitt eingespielt hat - nichts aus der Konserve oder als Studio-Aufnahme, alles Neueinspielungen - bis auf mein erwähntes BWV 11 "Himmelfahrtsoratorium." Ferner wurden von Sir Gardiner die Trauer- Hochzeits- und weltlichen Kantaten n i c h t eingespielt sowie sechs Kantaten, die anderen Komponisten zuzuordnen sind. Das einmal zur allgemeinen Information.

Hieraus nun gezielt Bach-Kantaten aus der SDG-Reihe zu empfehlen, halte ich für sehr schwer, das war ein Bachprojekt und ich wollte alle SDG-CDs besitzen wer Interesse an den SDG-Alben hat, sollte sich a l l e CDs käuflich erwerben. Die Einspielungen begeistern mich, dieser Schwung und Drive von Gardiner-EBS und dem überragenden Monteverdi Choir ist phänomenal gelungen, im Cover befindet sich ein Reisetagebuch von Gardiner, er berichtet sehr anschaulich - auch für den Laien sehr verständlich gehalten - über die aufgeführte Bach-Kantate, die Örtlichkeiten, Geschichtliches und den musikalischen Hintergrund, das kann ich jedem Bach-Freund nur ans Herz legen, das sind gelungene Ausführungen, die es so von keinem Interpreten gibt.

Einen Link zum Gardiner-Reisetagebuch gibt es im Internet auch: http://www.cantatafinder.com/hks/01.php

Das ist meine Meinung dazu, hier solltest Du einmal die Zeit abwarten, wenn sie in einem Gesamt-Paket und zu einem günstigen Preis angeboten werden. Einzel CDs zu beziehen, halte ich zu diesem Zeitpunkt für nicht sehr glücklich, bereits jetzt gibt es diese 27 Alben von der "Bach-Cantata-Pilgrimage 2000" beim Label: Soli Deo Gloria - für £ 405.00 (umgerechnet in EURO 478,00) als Gesamt-Paket. Für die Zukunft kann prognostiziert werden - Tendenz fallend..!! Schau dich einmal beim Label SDG um. Link: http://www.solideogloria.co.uk/shop/inde…FTOKEN=58079122

Ich hoffe, Du kannst meinen Standpunkt dazu nachvollziehen und habe die gleiche Meinung, wie sie @Stefan, bereits geäußert hat.

Herzlichen Gruß
Volker
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

reklov29

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8

Donnerstag, 5. Mai 2011, 17:44

Interview in Englisch Sir Gardiner und seine Bach Cantata Pilgrimage 2000

Hallo,
es gibt eine neues Interview von Nov. 2010 mit Sir John Eliot Gardiner zu seinem Bach-Projekt aus dem Jahre 2000. Die "Bach Cantata Pilgrimage 2000" die im Dezember 1999 in der Herder-Kirche in Weimar mit dem Weihnachtsoratoium von J.S. Bach seinen Anfang nahm.

Hier das Interview:


John Eliot Gardiner talks about the Pilgrimage (9 Nov 2010)

Sir John Eliot Gardiner talks to Oliver Condy at the BBC Music Magazine about the Bach Cantata Pilgrimage:

'When we embarked on the Bach Cantata pilgrimage in Weimar on Christmas Day 1999 we had no real sense of how the project would turn out.' And so during 2000, Sir John Eliot Gardiner, the Monteverdi Choir and English Baroque Soloists began their ambitious adventure, travelling around the great churches of Europe, performing each of the 198 sacred Cantatas on their proper day in the church calendar. The final recording of their 51-CD odyssey has just been released on SDG.

What made you decide to undertake the Bach pilgrimage?

It wasn’t a spur of the moment decision but something that had been brewing inside me for many years. I suppose it was three things: the 250th anniversary of Bach’s death and the millennium; a perplexity – that I still have – that this major tranche of his repertoire is partially known and rarely performed; and the state that I had arrived at with the Monteverdi Choir and the English Baroque Soloists.

Having done the major oratorios, the Passions and some of the Cantatas, I felt that this was the biggest single slice of his whole repertoire that we really needed to come to grips with at some stage. This seemed the golden opportunity.

There must have been some challenges along the way…

It was hugely challenging and ambitious to try and do all the Cantatas in a single year. There were a lot of hurdles to surmount but what it gave us was an in-depth exposure to this repertoire on a weekly basis almost for a whole year. We had this bizarre phenomenon that on a Monday morning we’d be looking at three or four Cantatas that we’d not done before, and we had to forget the ones we’d done the previous week.

I’d spent the previous two years learning them but nonetheless on a Sunday evening I’d wonder what was coming up next. We had to be quite self-disciplined and put to one side all our memories of the Cantatas we’d just been doing.

Was it difficult to keep the musical forces consistent throughout the year?

Yes, it was fearfully difficult. I had different soloists and continuo players; different principal oboe players and leaders. Not every week, because sometimes we did it in two-week segments. But there might be an abrupt change of personnel, so you couldn’t refer back to the previous week. But as we went through the year it became easier because nearly everybody came back to do another segment – refreshed and eager to start where they’d left off – and we developed a sort of house style.

So you didn’t always have the forces you wanted at the right times?

No, not always, by any means. We ran out of money. A lot of the soloists I was hoping to work with, people like bass-baritone Dietrich Henschel and mezzo-soprano Bernarda Fink, to name just two, were available at the beginning, but we ended up using more soloists from within the group. It was sometimes absolutely amazing how they came through.

I had three sopranos who did fantastically well – Katharine Fuge, Joanne Lunn (click play on the audio right-hand audio player to hear Lunn) and Gillian Keith – they had fairly little experience with Bach at the beginning of the year, but by the end they were experts. I also had two wonderful Bach soloists in tenor James Gilchrist and baritone Peter Harvey who were just starting their careers then. We caught them at the right time.

How did you decide which forces to use for which Cantata?

I looked at what the Cantatas were for a given day, and if they included trumpets and drums and a large orchestra that dictated to some extent how many strings you were going to take with you and how big the choir was going to be. I didn’t want to fake it. One of the most ridiculous things about the one-to-a-part movement is when it’s recorded with the trumpets 100 metres away and the recorder right up next to you. That’s ludicrous, it seems to me you need to be practical from the word go.

We can’t say definitely what forces Bach had for any given series of Cantatas, but then Bach was utterly practical and empirical. He might have started out with an idea but he was quick to adapt. And I tried to do the same. We weren’t trying to write a PhD thesis. The project demanded a certain amount of uniformity of approach, otherwise our logistical nightmares would have been compounded.

It’d have been ridiculous to have been on tour in Eastern Europe with programmes demanding full forces with trumpets and drums, then to send musicians home because we wanted to do a solo Cantata with just five performers, for instance.

Watch a video of Bach: 'Liebster Gott, erbarme dich' from Cantata, BWV 179 with Magdalena Kozena and the English Baroque Soloists, recorded at the beautiful St David's Cathedral in Wales.

Eine Möglichkeit einer Google-Übersetzung:

http://translate.google.de/translate?u=h…de&hl=&ie=UTF-8


Grüße Volker
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Glockenton

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9

Donnerstag, 12. Mai 2011, 18:59

Zitat

One of the most ridiculous things about the one-to-a-part movement is when it’s recorded with the trumpets 100 metres away and the recorder right up next to you. That’s ludicrous, it seems to me you need to be practical from the word go.
Also 100m halte ich für übertrieben, ich denke, er meinte es auch nicht so. Wenn man hier einmal reinschaut

"http://www.youtube.com/watch?v=Vkj4jf_yfvE"


dann sieht man, dass die Trompeten hinter dem Orchester aufgestellt wurden, allerdings keine 100m ...;-)
Die Sänger scheinen sich gegenüber dem Orchester gut durchsetzen zu können, allerdings hat es ein Bass mit seinen tiefen Tönen natürgemäss immer schwerer als ein Tenor, im Ensemble hörbar zu sein. Ebenso ist auch ein Sopran im Vorteil gegenüber einer Alt-Sängerin.

Die OVPP-Bewegung hat sicherlich auch ihre Vorteile: bessere Durchhörbarkeit, Melismen wirken weniger als schwierig eingeübtes Kunststück, sondern natürlicher, und laienhafte Sänger werden auf natürliche Weise von der eigentlich musikalisch und technisch zu schweren Musik ferngehalten....

Aber es gibt auch Nachteile:
Die Klangbalance kann schwierig sein. Auf jeden Fall erfordert OVPP Leute mit starken, durchsetzungsfähigen Stimmen ( hatte Bach die eigentlich?)
Ein homogener, mehr "neutral" wirkender Chorklang kann manchmal aber auch vorteilhaft erscheinen, je nach Stück und Stelle.
So setzt z.B. Ton Koopman bei seinen Bachschen Sakral-Einspielungen bei Choralbearbeitungen immer alle Altstimmen, oder alle Sopranstimmen ein ( z.B. Weihnachtsoratorium " Er ist auf Erden kommen arm...") Ich glaube, er ist der Einzige, der das so macht, aber ich finde es sehr gut, wenn für solche Stellen weniger die Individualität einer Solostimme zum Tragen kommen, als wenn vielmehr der verschmolzene Klang von z.B. 3 Altstimmen die Neutralität und die Allgemeinheit eines Chorals hervorhebt.
Ebenso kann man z.B. beim Sanctus der h-moll Messe die grössere klangliche Wucht eines stärkeren Vokalensembles schätzen - aber ja nicht zu viel davon...

Bei einer H-moll Messe die ich im Winter in Fredrikstad hörte, haben nach dem Kyrie eine Zeit lang nur die (guten!) Solisten die Chorfuge begonnen. Erst später setzte der (für mich zu stark besetzte) Chor frei nach dem Motte der Solisten und Ripienisten ein, was ich insgeheim schade fand, weil die Solosänger von der technisch musikalischen Bewältigung her ganz andere Ansprüche erfüllen konnten, als der aus Amateuren zusammengesetzte Kirchenchor.
Jedenfalls konnten die sich live - also ohne Stützmikros für die Aufnahme, wie bei Kuijkens Himmelfahrtsoratorium- wunderbar durchsetzen. Sie waren aber auch wirklich gut....

Ich mag zwar auch die Idee von Concertisten und Ripienisten auch lieber als reines OVPP, aber ich würde nicht so weit (wie Gardinger) gehen, deren Treiben als "lächerlich" zu beschreiben.
Richtig ist aus meiner Sicht, dass es sowohl bei Rifkin als auch bei Kuijken manchmal recht langweilig und nüchtern klingt. Das allerdings ist nicht der Besetzung, sondern den Dirigenten geschuldet. Wenn z.B. Koopman " Ich glaube Herr, hilf meinem Unglauben" auch nur mit 4 Sängern auf seiner Einspielung dirigiert, dann überzeugt mich das viel mehr, als so gut wie alle Aufnahmen der Vorgenannten, weil musikalisch gesehen einfach wesentlich mehr mitreissende Emotion und Engagement zu hören ist.

Für mich ist ein Bachchor aus jeweils 3 Sängern pro Stimme ideal, von denen einer gleichzeitig auch Solist ist.
Man kann dann auch in Chorsätzen alterieren.
Bei unser Kantatenaufführung (BWV 27) hat sich herausgestellt, dass sie aber eher nicht vom hinter dem Orchester platzierten Chor aus ihre Soli singen sollten, weil es dann einfach zu leise wird, obwohl unser Orchester recht klein besetzt war.
Dumm ist dann nur, wenn ein Satz in den anderen atacca übergehen soll....die Lauferei kann auch störend sein.
Wir sind dabei, Lösungen für das Problem zu finden.

Die sonstigen Aussagen Gardiners bestätigen meine Aussagen, dass es sich bei der verdienstvollen Pilgrimage nicht in jedem Fall um "unerreichte, nicht zu übertreffende Referenzaufnahmen" handelt, sondern dass den Sachzwängen geschuldete Qualitätsschwankungen vor allem im Bereich der Sänger hörbar sind.
Als gelungen empfinde ich die DVD, auf der auch Magdalena Kozena mitwirkt.

Absolute Bachfans müssen ohnehin alles haben ( so wie ich....) aber ich gehe nach wie vor so vor, dass ich mir jede Kantate im Voraus sehr genau von allen Interpreten (Koopman, Suzuki, Gardinger, Kuijken, Herreweghe) anhöre, und dann entscheide, welche ich davon unbedingt erst einmal haben muss. Dabei habe ich schon so manche Kantate in 4 bis 5 Interpretationen....und Harnoncourt/Leonhardt ist sozusagen meine Basis, weil es da trotz so mancher Schwächen (vor allem im Vokalbereich...Stichwort Knaben) immer noch viele Dinge in der musikalischen Interpretation und Intention gibt, die einfach sehr lehrreich und manchmal sogar auch unerreicht sind. Das empfinde ich so aber weniger für ganze Kantaten, als vielmehr für einzelne Sätze.
So hat z.B. Frans Brüggen das ein oder andere Solo auf der Block- oder Traversflöte eingespielt, das ich von anderen derart gut noch nicht wieder gehört haben.

Die Vervollständigung der Sammlung kommt aber auch bei mir irgendwann später.

LG
Glockenton
"Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

reklov29

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10

Mittwoch, 8. Juni 2011, 19:06

Gardiners Interview u.a. kleine Vocal-Besetzung

Hallo Glockenton,

eine weit gefächerte Informationsquelle breitest Du in deinem Kommentar aus die nicht ganz haltloses beinhaltet. Rifkin als Verfechter einer schmalen Chorbesetzung ist nicht von der Hand zu weisen. Beim MDR-Musiksommer "Bach und seine Städte" erklang durch das "Magdalena Consorts" aus England, vierstimmig besetzt, Bach-Kantaten von eindrücklicher Substanz, die mich voll überzeugt hat. Ein Massenchor ist absolut nicht mehr zeitgemäß für unsere Ohren und die Heraushörbarkeit geht dabei vollständig verloren. Hier sollten sich alle Bach-Interpreten einmal Gedanken darüber machen, sich diesen Stil anzueignen.

Grüße Volker
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.