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Alfred_Schmidt

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Beiträge: 19 116

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Donnerstag, 31. März 2011, 22:43

Strauss Johann: Eine Nacht in Venedig

Libretto von Friedrich Zell und Richard Genee




Fernsehbearbeitung

Inszenierung und Ausstattung: Traditionell 1973


Generelle Beurteilung : SEHR GUT


Dauer 96 Minuten

Herzog von Urbino: Anton DE RIDDER
Delaqua: Erich KUNZ
Barbara: Trudeliese SCHMIDT
Annina; Sylvia GESZTY
Caramello: Jon PISO
Ciboletto: Julia MIGENES
Pappacoda: Casare CURZI
Enrico: Michael LENZ
Barbaruccio: Karl DÖNCH
Agricola: Ljuba WELITSCH
Testaccio: Kurt SOWINETZ
Balbi: Erich FIEDLER

Chor des Bayrischen Rundfunks
Münchner Rundfunkorchester

Dirigent: Kurt EICHHORN

_________________________________________________________________

Hier nun mein erster Bericht über eine Operette auf DVD

Es ist kein Geheimnis, dass ich Studioproduktionen von Opern oder Operetten eher kritisch bis ablehnend gegenüberstehe…
Ich finde sie zumeist künstlich und steril.
Ein Vorurteil – ich weiß – aber eines, das ich oftmals bestätigt gefunden habe.
Davon kann bei der hier besprochenen Aufnahme jedoch keine Rede sein – Im Gegenteil sie sprudelt nur so von Lebensfreude und Operettenflair.
Das Dirigat ist feurig und melodiös zugleich – besser geht’s nicht. Oder anders gesagt – es wurde noch nichts Besseres aufgenommen…..

Schon allein die Besetzungsliste lässt das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Verspiele optische Kameraeffekte muten heute ein wenig antiquert an, tun aber der Freude letzlich keinen Abbruch. Und weil wir gerade einen Abstecher zur Technik gemacht haben: Der Ton ist hervorragend in Stereo, die Aufnahmen waren glücklicherweise auf Kinofilm 4:3 , die Schärfe ist also ausgezeichnet – die Farbe ebenso. Das Studio-„Bühnenbild“ ist – entsprechend der Entstehungszeit der Aufnahme – leicht stilisiert.
Ich weiß noch, dass mich diese Mode in den siebziger Jahren geärgert hat – heute – bin ich entzückt wenn ich überhaupt eine szenische Gestaltung sehe, die den Intentionen des Librettisten enspricht….
Also – Die Szenerie ist operettenhaft hübsch – alles andere wäre Erbsenzähler.

Ein weiters Vorurteil wird von dieser Aufnahme widerlegt:
Opernsänger sind für Operetten keine Idealbesetzug.
Persönlich glaube ich, dass das stimmt –

Aber hier ist wieder eine Ausnahme.

Ein Glücksgriff sind nicht nur die famosen Singstimmen, sondern auch komischen Rollen der drei Senatoren. Erich Kunz zeigt hier sein komisches Talent, daneben Karl Dönch, der als Direktor der Wiener Volksoper eine zweite Karriere, als „komischer Alter“ startete und mir vielleicht grade dadurch unvergesslich wurde. Kurt Sowinetz kommt vom Theater und Kabarett und ist die idealer Ergänzung .

Der erste Auftritt von Jon Piso als Caramello erinnert in seiner komischen Grandezza an eine subtile Parodie des Auftrittslied des Escamillo. Die anschlissende Tarantella vrmittelt Italianita, wie das nur selten auf eine Operettenbühne gelingt.

Das gilt auch für die späteren Tanzauftritte des Balletts.

Ich weiß nicht was ich zuerst erwähnen soll: Das Damenpaar Ciboletta (Julia Migenes) und Annina (Sylvia Geszty), oder die urkomisch agierende Ljuba Welitsch in ihrer Rolle als Agricola.

Auch der Herzog von Urbino, ist mit Anton de Ridder überbesetzt, ebenso wie der Pappacoda von Cesare Curzi.

Derr Humor, eine wichtige Zutat der Wiener Operette, gelegentlich auf deutschen Bühnen zu Tode strapaziert oder völlig unterschlagen. Kommt hier völlig auf seine Kosten. Man btrachte die Ensembelsznen, die Kostümierung von Erich Kunz, sowohl mit Allongeperücke, als auch im Nachthemd mit Schlafmütze, wie er den senilen, selbstgefälligen Trottel darstellt – ein zweiter Bartolo oder van Bett….
Der an Hexenschuss leidende Herzog, der in der Öffentlichkeit (unter Schmerzen) den jugendlichen schönen Prinzen mimt. Der Dioalog mit Balbi wo ihm sdieser gesteht, dass er über dessen Liebschaften „Buch geführt“ hat – eine parodierende Anspielung auf das Register eines gewissen Leporello…

Ljuba Welitsch spielt die lüsterne rotharige Agricola, die mit einer Delegation von leicht überreifen lüsternen Venezianerinnen das Badezimmer des Herzogs stürmt um zu prüfen ob er noch immer ein „Adonis“ ist mit unübertroffener Überzeugungskraft……

Generell kann man ohne Übertreibung diese Aufnahme als Jahrhundertaufnahme bezeichnen, nicht nur in sängerischer und musikalischer Hinsicht, sondern auch in schauspielerischer…..



Wer Operette mag, der sollte diese Aufnahme kennen......




(c) 2011 by Alfred Schmidt
Tamino Klassikforum Wien

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Manfred

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  • »Manfred« ist männlich

Beiträge: 3 061

Registrierungsdatum: 19. November 2010

2

Donnerstag, 31. März 2011, 22:48

Wer Operette mag, der sollte diese Aufnahme kennen......

Hallo Alfred,

volle Zustimmung!

Gruß
Manfred
"Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
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"Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
Giuseppe di Stefano

Bernward Gerlach

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  • »Bernward Gerlach« ist männlich

Beiträge: 2 734

Registrierungsdatum: 19. November 2009

3

Montag, 11. April 2011, 09:50

Strauss Johann: Eine Nacht in Venedig

Genau die hatte ich schon lange, bevor sie auf DVD herauskam, nämlich mitgeschnitten auf Video-Kassette vom Fernsehen. Ich glaube, die Aufnahme stammt aus Anfang der Siebziger (1973). Trotzdem habe ich sie mir sofort als DVD besorgt, als diese herausgegeben wurde. Fantastisch, nicht nur wegen Dönch und Kunz, sondern auch wegen der "Überbesetzung", wie Alfred meint. Der CD-Querschnitt mit Wunderlich und Schock ist auch nicht zu verachten.

LG, Bernward

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
sondern lächeln, dass es gewesen ist"
Waldemar Kmentt (1929-2015)