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Alfred_Schmidt

Administrator

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Beiträge: 18 457

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Freitag, 3. September 2004, 13:21

Mahler, Gustav: Sinfonie Nr 1: Blumine oder Titan - das ist die Frage

Liebe Forianer,

von allen Sinfonien Mahlers steht mir die erste am nächsten. Wahrscheinlich, nein sogar sicher ist das Naheverhältnis zu den "Liedern eines fahrenden Gesellen" die Ursache, denn die finde ich einfach großartig.
Ursprünglich besaß diese Sinfonie 5 Sätze, den 2. (Adagio "Blumine"entfernte Mahler aber jedoch im Rahmen einer Überarbeitung.
Die Uraufführung der Sinfonie fand am 20. November 1889 in Budapest statt.
1893 "taufte"sie Mahler auf "Titan", 1896 entfernte er die Untertitel zu den einzelnen Sätzen.

Es gibt zahlreiche Aufnahmen in der heute üblichen viersätzigen Version und vereinzelt aber auch welche, die "Blumine" mit einbeziehen (eigenartigerweise habe ich in meiner Sammlung keine einzige mit diesem Satz)

Um nicht vorzugreifen, werden meine persönlichen Bemerkungen erst im Laufe des Thread erfolgen.

Grüße aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Uwe

Moderator

Beiträge: 912

Registrierungsdatum: 11. August 2004

2

Freitag, 3. September 2004, 18:24

Hallo Alfred,

die vollständige Aufnahme besitze ich mit Ormandy und dem Philadelphia Orchestra - begeistert allerdings nicht. Ormandy ist sicher nicht der geeignete Mahler-Dirigent und die Sinfonie als solche gewinnt durch die Sreichung doch erheblich. Von daher ziehe ich die viersätzige Form doch allemal vor.

Meine Favoriten sind eindeutig Solti (hier wäre der Bogen zu schlagen zum Solti-Thread :D): und zwar ziehe ich die Aufnahme mit dem Chicago Symphony Orchstra vor. Solti lässt empfindsam, druckvoll, wo nötig, und farbig speilen.



Der zweite Tip (natürlich wieder etwas älter): Hermann Scherchen, der bei Mahler wirklich in seinem Element ist. Hier kommt sein Ansatz, einen sehr schlanken Klang zu erzeugen, einmal zum Tragen. Die Tonqualität ist, für 1955, recht gut.


Schließlich noch Colin Davis, der sich ja eigentlich nie so als Sachwalter spätromantischer Musik hervorgetan hat: seine Einspeilung der 1. gehört sicher zu den besseren Aufnahmen im Katalog.



Gruß aus Hamburg
Uwe

Uwe

Moderator

Beiträge: 912

Registrierungsdatum: 11. August 2004

3

Samstag, 4. September 2004, 13:16

Hallo Taminos,

da muß Norbert mich doch auf eine Unterlassung hinweisen: natürlich gehört auch die Kondrashin-Aufnahme zu den empfehlenswerten:



Eher dunkel timbriert, recht zügig und sehr spannende Unterhaltung. Gelegentliche Huster unterstreichen den Live-Charakter, die Aufnahmequalität ist (für 1981) nicht ganz so dolle, aber es geht...

Gruß aus Hamburg
Uwe

BigBerlinBear

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Beiträge: 1 660

Registrierungsdatum: 11. August 2004

4

Samstag, 4. September 2004, 13:18

Also ich halte es für gut, den "Blumine"-Satz zu kennen; für die Darstellung der Sinfonie jedoch ist er verzichtbar und Mahlers Streichung
belegt das wohl auch. Schwieriger wird es, überhaupt eine Einspielung der Sinfonie zu nennen, die runderherum stimmig ist:
Da bleiben an erster Stelle eben doch die "fast" Landsmänner Mahlers,
Ancerl und Kubelik zu nennen, wo bei ich nach langjährigem, vergleichenden Hören zu dem Schluß gekommen, daß das, was man als
"spezifischen Mahler-Ton" umschreibt, was aber andrerseits schwer
zu erklären ist, durch Kubelik am überzeugendsten eingefangen wird, also wer seine Mahler-Sinfonien nun unbedingt meint, im Paket erstehen zu müssen, sollte zu Kubelik greifen. Er ist da wirklich konmkurrenzlos.
Eine schöne Einspielung hat auch Boulez vorgelegt, allerdings, wie so oft bei ihm, mit zu viel "Blutverdünnungsmittel" angereichert.
Meine Referenz ist Ancerl:

Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Norbert

Moderator

  • »Norbert« ist männlich

Beiträge: 7 101

Registrierungsdatum: 11. August 2004

5

Samstag, 4. September 2004, 14:10

Zitat

Original von Uwe
]

Eher dunkel timbriert, recht zügig und sehr spannende Unterhaltung. Gelegentliche Huster unterstreichen den Live-Charakter, die Aufnahmequalität ist (für 1981) nicht ganz so dolle, aber es geht...

Gruß aus Hamburg
Uwe


Hallo Uwe,

aha. ;)
Ich denke, da werde ich mal tätig werden und mir die Aufnahme zulegen.

Auch sonst teile ich Deine Vorlieben, insbesondere Davis ist mir sehr ans Herz gewachsen.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

TobyWilson

Anfänger

  • »TobyWilson« ist männlich
  • »TobyWilson« wurde gesperrt

Beiträge: 58

Registrierungsdatum: 11. August 2004

6

Sonntag, 5. September 2004, 09:57

Hallo

neben der oben schon erwähnten Solti Aufnahme, kann ich jedem noch die Einspielung mit Muti wärmstens empfehlen (und auf keinen Fall nur des Preises wegen !!! ) :



Grüße TW

MStauch

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7

Samstag, 6. November 2004, 22:38

RE: Blumine oder Titan das ist die Frage - Gustav Mahler : Sinfonie Nr 1

Lieber Alfred,

mit der 1. Mahlersinfonie habe ich 1971 angefangen, klassische Musik zu hören, weil mich dieser Mensch unerhört interessiert hat. Die Solti-Aufnahme ist gängig - ich möchte zwei etwas abgelegene Aufnahmen empfehlen, die musikalisch wesentlich differenzierter sind:
Leinsdorf mit Boston Symphony Orch. 1966 (Label hp - zusam,men mit der 3. Sinfonie) und Mitropoulos von 1940.

Viel Spaß beim Hören

Matthias
Tobe Welt, und springe,
Ich steh hier und singe.

Gerrit_Stolte

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Registrierungsdatum: 7. Dezember 2004

8

Freitag, 7. Januar 2005, 22:16

Gerade gehört:

[am]B00067GKE[/am]

Es handelt sich dabei um die Einspielungen Haitinks mit den Berliner Philharmonikern, entstanden in den 90-er Jahren. Zwei negative Punkte sind zu bemerken. Zum einem sind mir die Klezmer-Szenen im 3. Satz nicht swingend genug. Der ganze hat zwar ein synkopisches Grundgefühl, in den aubrausenden Szenen fehlt mir aber das Vorwärtsdrängen. Gibt bei mir gleich Punktabzug, den kriegen aber alle Einspielungen außer Walter und Kubelik :D . Daneben sind der erste Satz und die langsamen Passagen des Finalsatzes für meinen Geschmack zu langsam. Was sehr gemächlich sein soll, kommt er zum Stillstand. Immerhin sind die langsamen Passagen des Finales mit dem 1. Satz abgestimmt - sie sind noch langsamer.
Ansonsten aber eine gutklassige Aufnahme. Sehr kammermusikalisch und detailverliebt in der Gestaltung, ohne es am nötigen Rumms vermissen zu lassen, wenn es darauf ankommt. Vor allem das Scherzo profitiert davon. Da werden die Melodien sehr schön artikuliert. Noch überzeugender aber die drängenden Passagen des Finales. Hier wird wirklich nach vorne geprescht, das es eine wahre Freude ist. Alle Instrumentalgruppen sind hervorragend eingefangen, vor allem die Celli habe ich keiner anderen Aufnahme so präsent und natürlich gehört - mit sattem Klang.

Interpretation: 6-7
Klang: 7-8

XREZENSION
Gruß,
Gerrit

MStauch

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Beiträge: 774

Registrierungsdatum: 6. November 2004

9

Sonntag, 9. Januar 2005, 13:31

Nach dem Beitrag von Thorsten habe ich die Kubelik- und die Bruno Walter-Aufnahme noch einmal gehört und gerade läuft zum Vergleich die Leinsdorf-Aufnahme (Boston 1962).

Als Beitrag zur Diskographie dieser Sinfonie:

Ich habe neben den genannten Aufnahmen
Bernstein mit NY-Ph 1966 und Bernstein mit Concertgebouw Orch 1987, Solti Chicago 1984, Mitropoulos 1940, Horenstein mit LSO und VSO 1958 und 1969, Barbirolli Halle 1957, Scherchen Wien 1955, Inbal aus der Gesamtaufnahme, Kondrashin mit NDR SO 1981, Chailly mit Concertgebouw Orch 1996.

Unter diesen ist IMO keine so weit herausgehoben, dass ich das weitere Vergleichshören zu dieser Sinfonie beenden könnte.

Ich habe Anfang der 70er Jahre begonnen mit der 1. Bernstein-Aufnahme, habe dann in den 80er meistens die Solti-Aufnahme gehört. Diese Aufnahme hat in der Expressivität, in der Deutlichkeit und in ihrer Eindringlichkeit Vorteile gegenüber den meisten anderen Aufnahmen. Das ist für das erste Hören dieser Sinfonie von Vorteil. Gerade das kehrt sich später dann aber zum Nachteil, weil die Details, die Widersprüchlichkeit und die Fragilität von vielen Stellen in den Hintergrund tritt. Sie ist vielleicht überdeutlich, überprägnant - trotzdem immer wieder schön anzuhören Ähnlich geht es mir übrigens mit der Aufnahme der 6. Mahler von Solti. In ihrem Ausdruck und der Heftigkeit kaum zu übertreffen, aber andere Aufnahme zeigen noch ganz andere Seiten dieser Sinfonie. Das fehlt etwas bei Solti, die möchte ich denn auch hören.

Und in dieser Hinsicht liegen die Stärken IMO in den Aufnahmen von Leinsdorf und nach erneutem Hören auch von Kubelik. Unter Mahler-Exegeten wird übrigens auch Mitropoulos sehr hoch gehandelt. klangtechnisch nicht mehr sehr gut, aber musikalisch.

Seit Jahren suche ich die Aufnahme von Mackerras, die nicht mehr lieferbar ist, aber vom Penguin-Guide weit nach oben gesetzt wurde. Vielleicht hat die jemand.

Soweit auf die Schnelle - muß jetzt los

Freundliche Grüße

Matthias

Nachtrag nach der Rückkehr vom Essen:

Die Gielenaufnahme der 1. Sinfonie habe ich bisher nicht erworben und gehört. Michael Gielen hat in seinem im Ganzen interessanten Buch "Mahler im Gespräch - die zehn Sinfonien" (Metzler Stuttgart 2002)aus der Sicht des Dirigenten sich eingehend zu den Sinfonien erklärt. Daraus ergibt sich leider, dass er gegen die 1. Sinfonie deutliche Vorbehalte hat, er hat sie auch als letzte für die Gesamtaufnahme eingespielt. Das hat mich bisher abgehalten, Gielen für die 1. Sinfonie näher in Betracht zu ziehen. Zu Tennstedt habe ich einige durchwachsene Kritiken gehört und bin ihm deshalb bei Mahler noch nicht nähergetreten. Ich schrecke auch eher vom Erwerb von Gesamtaufnahmen zurück. Solti habe ich ab 1985 nach und nach erworben (es gab damals noch keine Gesamtaufnahmen) und Bernstein DG mußte einfach sein.

Noch ein Wort zu den Anklängen in der 1. Sinfonie. Darauf hat Thorsten angespielt. Mahler greift Alltagsklänge auf. Aufgewachsen in Kalischt und Iglau an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren sind Klänge böhmischer und jiddischer Musik und auch von Militärmusik in den Sinfonien enthalten (Iglau war Garnisonsstandort), in anderen Sinfonien auch bis zu einem Posthorn - andererseits z.B. aber auch Herdenglocken aus den Alpen. Mahlers Musik auf die böhmisch-mährischen Ursprünge zurückführen zu wollen, führt meines Erachtens in die Irre. Alltagsklänge kommen vor in jeder Hinsicht, auch besonders solche aus der Jugend. Das Entscheidende ist aber die Verarbeitung und Entwicklung sublimer sinfonischer Formen und Übergänge aus solchen einzelnen Klängen.

Uri Caine hat etwa versucht, auf seiner CD "Urlicht" (Winter & Winter 1997) den 3. Satz der 1. Sinfonie als allein jüdisch-böhmische Musik zu rekonstruieren. Sehr faszinierend, wenn man das das erste Mal hört (inzwischen mag ich es nicht mehr hören). Aber zugleich wird beim Hören des Originals deutlich, dass Mahler in seinen sinfonischen Formen meilenweit von dieser anderen musikalischen Welt entfernt ist. Es sind nicht viel mehr als Zitate und Fingerzeige. Ich vermag diese Musik Caines nicht mehr als einen wesentlichen Beitrag zu Mahler zu empfinden. Man muss das nicht gehört haben, wenn man sich für Mahler interessiert.
Und das zeigt für mich deutlich, dass es mit dem Rückführen auf die "Wurzeln" nicht getan ist. Das gilt vielleicht auch für viele andere Komponisten aus diesem geografischen Bereich. Aber bemerkenswert ist doch, wie nachhaltig die Klänge der Jugend und Herkunft fortgewirkt haben.
Bei Mahler gibt es aber eben auch viele andere "Anklänge" und Zitate, die dann zu entwickelteren Formen weiter verarbeitet werden. So beginnt der 4. ursprünglich als Todtenmarsch bezeichnete Satz mit dem auf die Note genau wiedergegebenen Lied "Bruder Martin, schläfst Du schon" (zu den Einzelheiten Floros, Gustav Mahler, die Sinfonien Band III, Seite 35 ff.). Das interessante ist nur, was daraus gestaltet wird. Das ist die musikalische Form, die wir in Gestalt der Sinfonie vor uns haben.
Und noch ein Wort zu Alfreds Erstbeitrag in dem thread. Eine Aufnahme mit dem Blumine-Satz habe ich gar nicht (vielleicht ein Mangel?). Mahler hat an seinen Sinfonien oft gestrichen und umgearbeitet, zumeist um die Instrumentierung zu ändern, nachdem er die Stücke bei Aufführungen gehört hatte. Ursprünglich handelte es sich bei dem Bluminesatz um Begleitmusik, die Mahler zu einem Versepos komponiert hatte und die er selbst für zu sentimental hielt. Warum er diese Musik überhaupt eingefügt hat, ist unklar. Er hat dann diesen serenadenartigen Satz wegen zu großer Ähnlichkeit mit den Tonarten der beiden benachbarten Sätze (er war als 2. Satz eingefügt) seit der Berliner Premiere der Sinfonie 1896 gestrichen. Die Erstausgabe der Sinfonie erschien 1899 ohne den Blumine-Satz. Ob die Wieder-Einfügung dann noch Sinn macht, ist die Frage.
Ich habe bis jetzt ganz gut ohne gelebt, muß aber auch gestehen, dass ich besonders den 3. und den 4. Satz der 1. Sinfonie mag. Und den Anfang des 1. Satzes, wenn dieser langsam und fast flirrend gespielt ist (da lassen sich einige Dirigenten etwas entgehen).

Soweit für heute:

Matthias
Tobe Welt, und springe,
Ich steh hier und singe.

Ulli

Erleuchteter

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Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

10

Montag, 17. Oktober 2005, 21:16

"Der Titan" - Mahler's Erste...

Salut,

ein "moderner" Thread, wo auch Alfred mitposten kann... :D

Obwohl ich diese Sinfonie Mahlers nicht so wahnsinnig heiß und innig liebe, habe ich seltsamer Weise drei Aufnahmen davon:

1. Raphael Kubelik mit dem Bayerischen Rundfunksinfonieorchester [DGG]
2. Sir Georg Solti mit dem London Symphony Orchestra [DECCA]
3. Zubin Mehta mit dem New York Philharmonic [SONY]

Das viersätzige Werk dauert in der Regel etwas mehr als 50 Minuten und wurde am 20. November 1889 in Budapest uraufgeführt. Man fand das Werk verblüffend originell, kannte aber noch nicht, was folgen würde... :D

Wir werden [...] ihn immer wieder mit Vergnügen am Dirigentenpult erblicken, wenn er nicht gerade seine eigenen Kompositionen dirigiert.

Veröffentlicht wurde das angefeindete Werk erst 10 Jahre später, modifiziert - so wie wir es heute in der Regel kennen.

1884 begann Mahler das Werk ursprünglich als "sinfonische Dichtung" und bei der Uraufführung in Budapest bestand es noch aus fünf Sätzen. Der ursprüngliche und später eliminierte 2. Satz wurde erst 1967 wiederentdeckt - ein Andanten unter dem Namen "Blumine" bekannt.

Nun sind die Titanen dran...

Liebe Grüße
Ulli


Thread Nr 1880 wurde gelöscht bzw an den bereit bestehenden Thread 161 angehängt MOD 001
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

11

Montag, 17. Oktober 2005, 23:51

Der Titel "Titan" stammt von einem Roman von Jean Paul (den ich aber weder kenne noch weiß ich, inwiefern er sich auf die Sinfonie beziehen soll)
Wie bei anderen Sinfonien (3.) gab es ursprünglich Satzüberschriften, die mein Konzertführer aber verschweigt,; wenn ich recht erinnere sollte danach der Frére- Jacques-Satz ein groteskes Leichenbegängnis darstellen (Die Tiere begraben den Jäger) und das Finale war irgendwas Mystisches

Die Sinfonie ist eng mit den "Liedern eines fahrenden Gesellen verknüpft: Das Hauptthema des ersten Satzes nach der Einleitung entspricht dem des 2. Liedes "Ging heut' morgen übers Feld", der Mittelteil des 3. Satzes entspricht dem Dur-Teil des letzen Liedes "Die zwei blauen Augen... auf der Straße steht ein Lindenbaum" und man kann aus dem Beginn des Finalsatzes eine ähnliche verzweifelt aggressive Stimmung heraushören wie aus dem 3. Lied "Ich hab ein' glühend Messer"
Höchst originell und sehr "Ma(h)lerisch" ist m.E. der Beginn "wie ein Naturlaut" wo aus dem Nichts ein Sommermorgen zu entstehen scheint, inklusive Vogelstimmen und dem Weckruf einer fernen Kaserne. Diese Fanfare kehrt sowohl zum Höhepunkt des Kopfsatzes als auch im Finale wieder. Das Scherzo ist noch vergleichsweise konventionell, eine Art derber Ländler. Im "Trauermarsch" klingt in den Zwischenteilen böhmisch-jüdische Volksmusik in leicht verzerrter Weise an. Der Durteil ist ein extremer Kontrast, wie oft bei Mahler eine idyllische, aber unwiederbringlich verlorene oder nur erträumte Gegenwelt, woran die gesteigert bizarre Wiederkehr es Hauptteils keinen Zweifel läßt.

Das Finale neigt etwas zum Bombast und scheint ein per-aspera- ad-astra-Konzept in einem Satz durchziehen zu wollen (was nicht so richtig zu den ersten 3 Sätzen paßt), ist allerdings durchaus effektiv.
Die Sinfonie ist m.E. wesentlich besser zum Mahler-Einstieg geeignet als die häufig empfohlene 4., u.a. weil sie eindeutiger, trotz einiger grotesk-satirischer Züge nicht so doppelbödig ist wie diese.

Ich kenne am besten die von Ulli schon genannte DG-Studioaufnahme mit Kubelik (instruktiv gekoppelt mit den Gesellenliedern), außerdem habe ich noch Bernstein/Concertgebouw.

viele Grüße

JR

PS: Bitte im Subject des threads in "Mahlers Erste..." ändern. Auf deutsch steht im Genitiv kein Apostroph...
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

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12

Mittwoch, 19. Oktober 2005, 11:53

Titan/Blumine/Fassung 1893

Bei den Blumine-Diskussionen wird immer eins übersehen:
Der später ausgesonderte Satz gehört in eine Werkstufe, die Mahler später in der Instrumentierung erheblichst revidiert hat.
Der "Titan" im Original-Text von 1893 liegt vollständig in der der Yale-University.
Dort ist auch ein über den Benjamin-Verlag leihbares, leider sehr schlechtes Aufführungsmaterial erschienen. Das ganze ist allerdings sehr teuer. Deswegen greifen die meisten Dirigenten zur Notlösung, die Blumine von 1893 in die Letztfassung zu implementieren, was zu Diskrepanzen führt.
Leider ist die Mahler-Gesamtausgabe finanziell so schlecht mit Öffentlichen Fördermitteln ausgestattet, daß die früheren Versionen der Ersten bis heute nicht erscheinen konnten...
Von der gesamten originalen "Titan"-Dichtung 1893 gibt es nur zwei mir bekannte Aufnahmen - eine mit dem New Philharmonia Orchestra unter Wyn Morris (EMI) und eine neuere mit Ole-Kristian Ruud und dem Nörrköping Symphony Orchestra bei Simax. Beide sind sehr gut und empfehlenswert!
Beste Grüsse,
Ben

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MStauch

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13

Samstag, 5. November 2005, 18:59

Ich habe gerade die Einspielung der 1. Sinfonie von Roger Norrington mit dem SWR Sinfonieorchester angehört. Hohe Erwartungen habe ich wieder einmal gehabt - da ich Norington sehr schätze.



Der 1. Satz detailreich, aber irgendwie fehlt die Prägnanz. Schon der Anfang, der kann richtig schwebend geheimnisvoll und mit innerer Spannung gespielt werden - keine Spur davon bei Norrington. Es fehlt nach meinem Hören in diesem Satz der Ausdruck, der diese Musik verständlich macht. Vieles bleibt vereinzelt.
Die Begründung, warum der Blumine-Satz eingefügt wurde, ist im Beiheft nicht gerade durchschlagend. Und wenn man diesen Satz anhört, versteht man auch, warum Mahler ihn gestrichen hat. Für mich verliert diese Sinfonie an Spannung und Zusammenhang, auch für sich stellt die Musik in diesem Satz keine große Bereicherung dar - das er einen Bezug zu der unglücklichen Liebe zu Johanna Richter in Kassel herstellen soll, ist noch kein hinreichender Grund. Da sind die Lieder einen fahrenden Gesellen wesentlich gehaltvoller und sie reflektieren u.a. die gleiche Erfahrung. Am besten gelungen finde ich den hier dritten (üblicherweise zweiten) Satz. Also nach meiner Einschätzung wird kein neuer wesentlicher Beitrag zur Diskografie der 1. Sinfonie durch Norrington geboten. Mit den Aufnahmen von Kubelik, Leinsdorf, Kondraschin, Solti und Bernstein kann er nicht mithalten.

Besser ist für mich auch noch die ältere Aufnahme von Mackerras (1992), die ich nach längerer Suche endlich in London direkt kaufen konnte und die ich gleich im Anschluß gehört habe. Allerdings überzeugt das Orchester (Royal Liverpool Philharmonic Orchestra) nicht durchgehend.

Mit besten Grüßen

Matthias
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14

Sonntag, 6. November 2005, 13:14

Verständlichkeit der Blumine

Ist es nicht verständlich, daß der Blumine-Satz, gewaltsam eingefügt in die Letztfassung der Sinfonie, störend wirken muß? Er stammt aus einem gänzlich anders instrumentierten Kontext...
Aber solche Probleme scheinen hier offenbar wenig zu interessieren; ich finde es bemerkenswert, daß hier die reinen Hörlust-Bauch-Eindrucke immer weit überwiegen...
Ben

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MStauch

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15

Sonntag, 6. November 2005, 22:13

Mir ist sehr wohl bekannt, dass die Musik des Bluminensatzes aus der Begleitmusik zum "Trompeter von Säkkingen" (wohl Juni 1884) stammt. Und die Geschichte der Änderungen bis zur Aufführung am 16. März 1896 in Berlin, bei der Mahler dann den Bluminen-Satz gestrichen hat, kenne ich jedenfalls aus der Beschreibung.

Aber auch das Hamburger Autograph von 1893, das in der Yale-University liegt, ist - wenn ich das richtig sehe - bereits eine Fassung mit einschneidenden Änderungen gewesen. Wohl kaum eine Originalfassung, was immer das sein sollte. Die ursprüngliche Fassung, die der Uraufführung vom 20. November 1889 in Budapest zugrunde lag, ist doch wohl nicht mehr vorhanden oder ist sie inzwischen wieder aufgetaucht?

Ich fände es spannend zu hören, was dafür spricht, die frühere von Mahler aufgegebene Fassung mit dem Bluminen-Satz vorzuziehen.

Inwieweit unterscheidet sich diese Revisionsgeschichte von der der späteren Sinfonien - wir kennen die gewaltigen Änderungen und Revisionen die Mahler seinen Sinfonien unterzogen hat. Warum sollen diese Änderungen bei der ersten Sinfonie nicht ebenfalls als überzeugend angesehen werden? Was ist die Stärke der Fassung mit dem Bluminen-Satz.

Das Norrington diesen Satz einfach in die spätere Fassung eingefügt hat, ist gewiß ein weiterer Kritikpunkt dieser Einspielung.

Mit besten Grüßen

Matthias
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16

Montag, 7. November 2005, 13:57

Die Änderungen Mahlers 1893 sind nicht so drastisch - allenfalls Instrumentationsretuschen gegenüber Budapest. Aber die Instrumentierung folgt einer völlig anderen Aesthetik als die der Spätfassung.
Mein Vorschlag: Einfach eine der von mir oben genannten Versionen besorgen und mal vergleichen ...
Man darf halt auch nicht vergessen, daß die Frühfassung explizit eine "Tondichtung in Sinfonie-Form" genannt wurde, also im Grunde genommen eine Sinfonia Charatteristica wie Beethovens Pastorale oder Mendelssohns Schottische.
Im übrigen ist mir generell schleierhaft, wie man so auf einer, wie ich finde, reinen Geschmacksfrage wie der Blumine herumreiten kann (und das ist jetzt nicht persönlich gemeint!). Mahler selbst hat sie aus der Spätfassung getilgt, aus der Frühfassung nicht - ergo zwei Fassungen mit fünf und später vier Sätzen. Es spricht für den Satz, daß viele Dirigenten sich gegen Mahlers eigene Tilgung entscheiden. Und es ist doch nur ein bescheidenes Liebeslied ... Was ist daran eigentlich so störend?
Ich mag darüberhinaus die symmetrische Fünfsatz-Form des Werkes lieber, weil sie mir ausgewogener scheint, und die Frühfassung finde ich weit aufregender und farbiger... aber: de Gustibus ...
Ben

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MStauch

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17

Montag, 7. November 2005, 21:26

@ben

Na, dann werde ich mal eine der von Dir vorgeschlagenen Aufnahmen der Frühfassung probieren. Danke für die Hinweise.

Übrigens findet sich nicht auf sehr vielen Einspielungen auch der Blumine-Satz. Norrington war meine erste Aufnahme mit Blumine - nachdem ich doch bereits sehr viele Einspielungen dieser Sinfonie habe - alle in der Berliner Fassung. Mahler selbst soll sich - wenn ich das richtig in Erinnerung habe - auch deshalb zur Streichung des Satzes entschieden haben, weil der Satz sich nach seiner Auffassung zu wenig von den beiden Sätzen 1 und 3 unterschied.

Mit besten Grüßen

Matthias
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MStauch

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18

Samstag, 12. November 2005, 18:50

Kleiner Nachtrag zu unserer Blumine-Diskussion:

Zu der von mir angesprochenen Norrington-Einspielung der 1. Mahler-Sinfonie schreibt der Rezensent im letzten Fono-Forum:

"Norrington gehört nicht zu den bedeutenden Mahler-Dirigenten. Anfechtbar seine Entscheidung, den im Ton so fremden "Blumine"-Satz wieder einzusetzen, den Mahler mit klarem Blick für die schwache Qualität 1896, acht Jahre nach der Komposition, gestrichen hat."

Empfohlen werden dort Aufnahmen, die hier auch bereits genannt wurden, nämlich Kubelik, Bernstein, Kondraschin, Walter. Der mitgenannte Horenstein, der mit seiner Aufnahme der dritten Sinfonie wohl eine der bedeutendsten Aufnahmen der Mahlerdiskografie überhaupt vorgelegt hat - und der hier auch genannt wird, überzeugt mich bei der 1. Sinfonie weniger. Mir liegen von der 1. Sinfonie Aufnahmen Horensteins von 1958 (mit Vienna Symphonic Orchestra - Wiener Symphoniker?) und von 1969 (mit London Symphony Orchestra) vor. Übrigens: keiner der genannten Dirigenten hat den Blumine-Satz mit eingespielt, auch Bruno Walter nicht, der ja persönlich engsten mit Mahler verbunden war.

Mit besten Grüßen

Matthias
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  • »helmutandres« ist männlich

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Registrierungsdatum: 8. Januar 2005

19

Mittwoch, 16. November 2005, 12:04

Noch eine Empfehlung

ohne Blumine: Andrew Litton, RPO. Enorme Dynamik (zumindesten klanglich 8o)

  • »Walter.T« ist männlich

Beiträge: 424

Registrierungsdatum: 9. April 2005

20

Mittwoch, 16. November 2005, 20:23

Markevitch

Mahlers 1. Sinfonie höre ich am liebsten mit Markevitch (zwar bei Amazon erhältlich, aber ohne Foto). Die Aufnahme ist auch technisch überraschend gut. Er ist unüberhörbar ein Schüler von Scherchen, aber ihm gelingt das "kräftig bewegt" des 2. Satzes noch schwungvoller, die unterschiedlichen Schlagzeuge im "Bruder Jakob" transparenter und das "Stürmisch bewegt" des letzten Jahres wilder. Die Bläser heulen bisweilen auf wie Sturmbojen.

Viele Grüße,

Walter

Norbert

Moderator

  • »Norbert« ist männlich

Beiträge: 7 101

Registrierungsdatum: 11. August 2004

21

Donnerstag, 9. Februar 2006, 23:07

Meine neueste Erwerbung von Mahlers 1. ist "unerhört" und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn so habe ich Mahlers 1. noch nie gehört.



Der erste Satz kommt in mittelmäßigen Interpretationen gemächlich, betulich daher und steuert dem orchestralen Höhepunkt entgegen. Gar nicht so "langsam, schleppend" beginnt Kegel die Sinfonie, denn bei allen "Naturlauten", also den eher lyrischen Momenten, ist etwas stets vorwärts strebendes vorhanden.
Erreicht wird dieser Eindruck u.a. durch den Einsatz von Rubati. Kegel zieht des öfteren die Tempi an, was ich allerdings nicht als sehr störend empfinde, denn auch deswegen, aber nicht nur deswegen, erreicht Kegel eine stets gespannte Aufmerksamkeit, die manch anderer Interpretation fehlt. (Spielzeit 15'04'')

"Unerhörtes" gibt es im zweiten Satz, denn gleich nachdem die Violinen den Tanzrhythmus spielen (nach ca. 2 s) setzt Kegel einen Akzent, eine kurze Pause, in den Rhythmus. Es klingt fast wie eine Art "retardierendes Moment", bevor es richtig los geht. Wenn's denn aber "los geht", dann igs. sehr flüssig (Spielzeit 08'36'').

Dafür läßt sich Kegel im dritten Satz mit 11'47'' um so mehr Zeit. Diese benötigt er ibs., um das "frère Jacques" Motiv deutlich auszuarbeiten und die "Lindenbaum-Passage" (aus "Lieder eines fahrenden Gesellen") sehr lyrisch zu präsentieren. Die Anklänge an Klezmer hingegen sind rhythmisch sehr pointiert und bieten eine Deutlichkeit im Schlagwerk, die ich ebenfalls nirgendwo so prägnant hören konnte.

Der vierte Satz beginnt so fulminant, daß die Tontechnik am Anfang große Schwierigkeiten hat, das ganze "Orchesterbrimborium" präsent einzufangen. Ansonsten ist das Klangbild übrigens recht direkt, aber dennoch natürlich-transparent. Besonders gut ist die Balance in den Streichern eingefangen. Das bekommt imo besonders den tiefen Streichern. Man hört deutlich verschiedene Motove oder Rhythmen, die man sonst eher beiläufig wahrnimmt.

Bei einer Spielzeit von 20'05'' trifft Kegel den Satzcharakter "stürmisch bewegt" imo sehr gut, wenngleich er mir ganz zum Schluß das Tempo ein wenig zu doll anzieht.

Fazit: Nicht die "einzig-ultimative" Aufnahme, aber eine sehr interessante Alternative, die Appetit auf "mehr" vom Dirigenten Herbert Kegel macht. Ich verweise in dem Zusammenhang auf eine fantastische "Parsifal"-Einspielung, die auf eine andere Weise ebenfalls "unerhört" ist und im entsprechenden Thread besprochen wurde.
Nebenbei kostet die Aufnahme fast geschenkte 2,99€ und ist um so mehr zu empfehlen.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Reinhard

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Freitag, 10. Februar 2006, 00:03

Fein, daß jemand meinen Lieblingsdirigenten (sicher sehr lokalpatriotisch und durch Liveerlebnisse geprägt) auch gut findet.
Meine Empfehlung: kauf Dir die Kegel-Box von Brilliant!
Leiste guten Menschen Gesellschaft, und du wirst einer von ihnen werden. Miguel de Cervantes

Norbert

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23

Freitag, 10. Februar 2006, 13:12

Hallo Reinhard,

danke für den Tip.

Ich kenne Kegel seit Anfang der 80er, als er den ersten digitalen Beethoven-Sinfonienzyklus herausbrachte. Die erhältlichen Werke mit ihm sind recht überschaubar, was ich sehr bedauerlich finde, denn Kegel hatte imo "etwas zu sagen".
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Edwin Baumgartner

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Freitag, 10. Februar 2006, 14:43

Bei EMI-Japan gibt's auch ein wenig Kegel, etwa eine grandiose 2. Mahler.
Vielleicht wäre dieser weit unterschätzte Dirigent, der IMO zu den besten seiner Zeit gehörte, einmal einen eigenen Thread wert...?
...

Norbert

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Freitag, 10. Februar 2006, 16:41

Gute Idee, Edwin, fang an ;) .

Ich kenne leider zu wenig von Kegel, um über ihn detailliert Auskunft geben zu können, würde mich aber mit dem, was ich bisher gehört habe, am Thread beteiligen.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Cosima

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26

Freitag, 10. Februar 2006, 17:10

Zitat

Original von Norbert
Gute Idee, Edwin, fang an ;) .


Fände ich auch gut; nur zu, Edwin. Ich kenne zwar bislang nur Werke von Orff unter Kegel, aber vielleicht ist bis dahin auch endlich die 4. Mahler eingetroffen. Außerdem liebäugele ich sehr mit der von Norbert genannten 1. Mahler. Interessieren würde mich dieser Dirigent auf jeden Fall auch sehr! Die Brillant-Box scheint nicht mehr erhältlich zu sein, oder? Was war oder ist denn alles enthalten?

Gruß, Cosima

Edwin Baumgartner

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27

Freitag, 10. Februar 2006, 23:25

Gemach, gemach...
und eines Tages vielleicht gemacht, gemacht....
...

Milosz

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28

Freitag, 26. Mai 2006, 00:48



MAHLER Sinfonie no.1 [Rafael Kubelik, Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks]
Live-Aufnahme: Herkules-Saal in der Residenz, München (02.11.1979)
audite // 2000 // [A][D][D] // (Gesamtspielzeit 51:33)

Obwohl es sich um eine Liveaufnahme handelt, schlägt die Aufnahmetechnik jene, der vorangegangenen Studioaufnahmen Kubeliks bei der DGG; vorausgesetzt, die akustischen Verhältnisse sind, mit meiner zweiten Sinfonie aus der damaligen Mahler-Box als Grundlage, gleich bleibend, was ein spärlich dimensioniertes Klangvolumen bedeutete, das den Bläsern ein wenig die Luft abgeschnitten hat und mir ein wenig sauer aufgestoßen ist.

Erleichternd für die audite-Aufnahme kommt das diszipliniert mustergültige Verhalten des damaligen Publikums hinzu, welches entweder vor der Aufführung mit Kräuterbonbons zwangsweise versorgt wurde, oder der Gattung der Tuttihuster angehört. So oder so erfährt der Hörgenuss durch Huster nur äußerst selten einen Abbruch. Eigentlich war von mir geplant, die Huster durchgängig zu zählen, ähnlich wie die Kuckucksrufe im ersten Satz; mangels "Erfolg" glücklicherweise frühzeitig eingestellt.

Vorläufiges Ergebnis: Kuckuck 58 - Mensch 3

Insgesamt wirkt das Klangbild räumlich ordentlich gestaffelt und strotzt geradezu vor natürlicher Klarheit.

Nun zum musikalischen Teil. Generell sei hierbei zu erwähnen, dass ich noch wenig Vergleichsmöglichkeiten zu alternativen Interpretationen habe und mir Mahler erst langsam, nach anfänglichem Zögern allmählich zu Gemüte führe, mittlerweile aber im fortgeschrittenen Suchtstadium angelangt bin. ;-)

Hier ein paar Eindrücke

1. Satz: [13:12] flüssiger Durchmarsch, wirkt wie aus einem Guss
2. Satz: [07:03] mit einem Hauch verschmitzter Ironie
3. Satz: [11:37]
4. Satz: [19:18] hier gefällt vornehmlich das Finale, welches, wie ich mir habe sagen lassen, von einigen Dirigenten überstürzt wird. Kubelik umschifft diese Klippe meisterhaft und vermeidet es, der Musik ihren Entfaltungsraum zu nehmen. (Lediglich der Hörer könnte nach langen Pausen hier wieder über minimale Huster stolpern….)

Insgesamt gesehen hat mich diese Einspielung in ihren frischen Natürlichkeit gefangen genommen und den Weg für fortschreitende Beschäftigung sowohl mit Mahlers Sinfonien als auch mit dem Label audite geebnet.

Falls es an der CD etwas zu bemängeln gäbe, wäre es wohl von meinem Standpunkt aus gesehen die geringfügige Unwucht des Datenträgers, die meinen Discman erbeben lässt; oder liegt es an der Musik?

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Milosz.
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Ulli

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29

Freitag, 26. Mai 2006, 00:55

Salut,

hab Dank für die Erinnerung...

Gibt es eine 'Blumine' unter Kubelik ?( [die nämlich fehlt in der GA].

Cordialement
Ulli
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(Vincenzo Geilomato Hundini)

Milosz

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30

Freitag, 26. Mai 2006, 01:12

... Hallo Ulli,

schlechte Aussichten; schenkt man dem raschen Internetgestöber Glauben.

Hier noch eine interessante Excel-Datei mit der kompletten Diskographie Kubeliks von kubelik.org

http://vagne.free.fr/kubelik/K3.XLS

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Milosz« (26. Mai 2006, 01:13)