Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

WolfgangZ

Prägender Forenuser

  • »WolfgangZ« ist männlich
  • »WolfgangZ« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 240

Registrierungsdatum: 16. April 2007

1

Montag, 20. August 2007, 21:32

Nikolai Kapustin und seine Jazz-Kompositionen



Nikolai Kapustin wurde 1937 in der Ukraine geboren, studierte am Moskauer Konservatorium bei Alexander Goldenweiser Klavier und war in seiner Studentenzeit in einer Combo als Pianist tätig. Später machte er unter anderem Erfahrungen in einer Bigband, bevor er sich bevorzugt der Komposition widmete.

Er begann bereits in den sechziger Jahren zu schreiben; neben Solowerken und Konzerten für andere Instrumente sind es vor allem rund sechs Klavierkonzerte, zehn Klaviersonaten und etliche Suiten und Einzelstücke für dieses Instrument, die bis heute vorliegen - über hundert Opuszahlen.

Im Wesentlichen zwei CDs sind zur Zeit greifbar, daneben ist zumindest eine Platte mit Einspielungen des Komponisten selbst zu einem nicht mehr günstig zu nennenden Preis auf dem Amazon-Marktplatz erhältlich.

Zwei erfolgreiche jüngere Pianisten der Gegenwart haben - ohne Überschneidungen - repräsentative Werke bei Hyperion eingespielt, Marc André Hamelin im Jahre 2003, Steven Osborne bereits 1999.



Betrachtet man die Titel der durchwegs in den Achtigern und Neunzigern des vorigen Jahrhunderts entstandenen Kompositionen, so verweisen diese auf die altmeisterliche Tradition, in der sich Kapustin bewusst ansiedelt: neben vier der zehn Sonaten eine Sonatine, Variationen, Etüden, eine Bagatelle, Präludien, eine Suite im alten Stil. Gelegentlich wird explizit "im Jazzstil" hinzugefügt. In der Tat besteht die Pointe dieser einfallsreichen und höchst virtuosen Musik darin, dass es reiner Klavierjazz ist - meines Erachtens origineller als etwa die Eigenkompositionen eines Friedrich Gulda -, der dennoch unverkennbar und kunstvoll in alte Formen gegossen wird. So mag ein Sonatensatz strukturell an Haydn erinnern oder man erkennt in der Suite im alten Stil Tanzformen wie die Allemande oder die Gigue auch tatsächlich wieder, und auf der anderen Seite meint man, die Improvisationen eines Chick Corea oder Art Tatum, Keith Jarrett oder Oscar Peterson - auf den Kapustin sich auch explizit am stärksten beruft - zu hören.

Kapustins Klaviernummern sind auskomponierte Musik, die wie improvisiert klingen soll - und klingt. Hamelin und Osborne sind kongeniale Interpreten dieser originellen Kreationen, auf die ich schon vor wenigen Jahren durch die Empfehlungen des Kritikers Attila Csampai im Programm Bavern 4 aufmerksam geworden bin. Angeschafft habe ich mir die CDs aber erst kürzlich; die Platte, auf der Kapustin selbst spielt, ist mir zu teuer. Beide Einspielungen sprechen mich sehr an; noch bin ich mir nicht wirklich schlüssig, ob man das Jazzfeeling des jungen Engländers von dem des unwesentlich älteren und berühmteren Kanadiers unterscheiden kann. Da beide Veröffentlichungen vom selben Label stammen, erscheint auch die weiche, eher dezente als besonders kraftvolle Klangqualität recht ähnlich.

Aber vielleicht habe ich mit diesen einführenden Bemerkungen auch das Diskussionsinteresse derer geweckt, die bereits Hörerfahrungen mit den beiden CDs haben - oder sogar mit anderer Musik Kapustins.

:)

Beste Grüße, Wolfgang
Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

embe

Profi

  • »embe« ist männlich

Beiträge: 344

Registrierungsdatum: 5. Juli 2007

2

Montag, 20. August 2007, 22:55

Hallo Wolfgang,
diese Musik liebe ich :jubel:
Als Jarrett Fan musste ich früher oder später zu Kapustin kommen.

Die genannten Aufnahmen besitze ich desweiteren auch 4 Cds
mit Kapustin am Flügel



24 Preludien op82
ohne Bild

Mich begeistert die Musik ein ums andere mal,
das klingt manchmal echt wie improvisiert.
Aber wirklich gekonnt gemacht.
Beim ersten Hören im Radio dachte ich an einen Amerikaner, McCoy Tyner oder so.
Um so überraschter war ich als der Name Kapustin viel, noch mehr Überraschung nachdem ich erfuhr woher der Mann kam.

Gruß
embe

WolfgangZ

Prägender Forenuser

  • »WolfgangZ« ist männlich
  • »WolfgangZ« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 240

Registrierungsdatum: 16. April 2007

3

Dienstag, 21. August 2007, 01:37

Hallo, embe!

Kommt man Deines Wissens noch an Einspielungen des Komponisten heran - also in vertretbarem organisatorischen und finanziellen Rahmen? Schließlich möchte ich noch ein paar hundert andere Sachen kaufen :D ... (auch manche, für die Du in unseren Foren schon Reklame gemacht hast ... ;)) ...

Besten Gruß, Wolfgang
Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

embe

Profi

  • »embe« ist männlich

Beiträge: 344

Registrierungsdatum: 5. Juli 2007

4

Dienstag, 21. August 2007, 09:18

Hallo Wolfgang,
die CDs hab ich schon ein paar Jährchen....
keine Ahnung wo man die jetzt günstig her bekommt
außer man hat heiße bzw. brennbare Beziehungen :D

Schätze aber früher oder später tauchen die Scheiben wieder zu normalen Preisen
auf dem Markt auf (Melodya, Brilliant).

Gruß
embe

Frank1970

Prägender Forenuser

  • »Frank1970« ist männlich

Beiträge: 705

Registrierungsdatum: 10. Juli 2007

5

Dienstag, 21. August 2007, 10:23

Hallo zusammen,

auch ich bin als Jarrett-Fan zu Kapustin gelangt - allerdings bei 17 Jahren Verzögerung eher später! ;)
Die oben genannte Hamelin-Aufnahme höre ich sehr gerne. Die Sonatine aus dem Jahr 2000 ist übrigens dass aktuellste Stück "Klassik", welches ich auf CD besitze.
Auch die Osborne-CD steht schon länger auf meiner Wunschliste.

Bei meiner Suche nach weiteren Kapustin-Aufnahmen bin ich noch über folgende CD "gestolpert":
Nikolai Petrov, Klavier
Schulhoff:Klaviersonate Nr. 3 + Prokofieff:Klaviersonate Nr. 6 + Strawinsky:Klaviersonate + Kapustin:Klaviersonate Nr. 2


Darauf von Kapustin enthalten also "nur" die Klaviersonate Nr. 2. Aber die sonstige Programmauswahl klingt für mich auch sehr reizvoll (einzig mit Prokofieffs 6. bin ich reichlich versorgt).
Kennt vielleicht jemand diese CD und kann was dazu sagen, wie die Kapustin-Sonate dort gespielt ist?

Viele Grüße
Frank
From harmony, from heavenly harmony
this universal frame began.

WolfgangZ

Prägender Forenuser

  • »WolfgangZ« ist männlich
  • »WolfgangZ« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 240

Registrierungsdatum: 16. April 2007

6

Dienstag, 21. August 2007, 12:15

Hallo, Frank!

Diese CD würde ich mir dann wegen Prokofieffs Sechster zulegen, denn da bini ich keineswegs überversorgt, sondern besitze nur die etwas lahme Einspielung mit Murray McLachlan bei Brilliant. (OK, natürlich könnte Petrow auch lahm sein ...)

Schönen Gruß :)

Wolfgang
Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

scriabin007

Schüler

  • »scriabin007« ist männlich

Beiträge: 158

Registrierungsdatum: 13. März 2007

7

Donnerstag, 23. August 2007, 16:39

RE: Nikolai Kapustin und seine Jazz-Kompositionen

Hallo,

Mir gefällt kapustins Musik! Eine herrlich verspielte, pianistisch ergiebige, rhytmische Musik! Als ich 1999 Ostborn mit Kapustins 2. Sonate hörte hat er mich mit seinem feurigen Spiel umgehauen. Im Konzert riskierte Ostborn noch mehr als als auf seiner schön zusammengestellten CD mit Musik von Kapustin!

Sehr zu empfehlen Kapustin selber am Flügel:http://www.youtube.com/watch?v=2Xht5tUg3K8 :jubel:

Gruß
Niko

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 19 219

Registrierungsdatum: 9. August 2004

8

Freitag, 22. Februar 2008, 13:13

Tamino ist immer für eine Überraschung gut.
Durcheinen Zufall stieß ich bei meiner Recherche im Internet auf eine Neuerscheinung von Nikolai Kapustin, einen Namen den ich zugegebenermaßen noch nie gehört hatte. Nach kurzem hineinhören entschloß ich mich, dem Komponisten einen Thread mit dem Titel : "Kapustin - Kunst, Kitsch, Kommerz ? - Klassik oder Jazz ?" zu widmen.

Jetz sehe ich zu meinem Erstaunen, daß es zu diesem Thema schon einen Thread gibt.l

So bleibt mit denn nicht mehr zu tun , als Kapustin-Liebhaber auf diese neue Naxos-CD hinzuweisen, welche Interessenten einen preisgünstigen Einstieg ermöglich, und Sammlern zu einer kostengünstigen Erweiterung verhelfen mag.



mfg aus Wien

Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

WolfgangZ

Prägender Forenuser

  • »WolfgangZ« ist männlich
  • »WolfgangZ« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 240

Registrierungsdatum: 16. April 2007

9

Freitag, 22. Februar 2008, 13:31

Hallo, Alfred, hallo, miteinander!

Danke für den neuen Plattentipp; mal schauen, ob es Überschneidungen gibt.

Für "Kitsch" und "Kommerz" fehlt Kapustin wohl doch ein größerer Bekanntheitsgrad und sind seine Kompositionen zu originell und eigenständig gearbeitet.

Ein (verglichen mit mir ausgeprägterer) Jazz-Kenner unter meinen Bekannten war allerdings der Meinung, stilistisch käme Kapustin dennoch ein paar Jahrzehnte zu spät. Das mag sein.

Dieser Kenner nannte das Jazz-Feeling Kapustins, verglichen mit Osborne, authentischer, seltsamerweise fand ich in irgendeiner Besprechung aber die gegenteilige Ansicht. Selbst scheint mir Kapustin härter, Osborne verspielter zu artikulieren; dies mag auch an den jeweiligen Stücken liegen. Einen wesentlichen Unterschied würde ich nicht feststellen wollen, schon gar nicht in wertender Hinsicht.

Besten Gruß, Wolfgang
Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

Frank1970

Prägender Forenuser

  • »Frank1970« ist männlich

Beiträge: 705

Registrierungsdatum: 10. Juli 2007

10

Donnerstag, 24. Juli 2008, 14:32

Hallo zusammen,

gerade habe ich gesehen, dass folgende Aufnahme mit Kapustin selbst am Flügel wieder regulär im Handel erhältlich ist.

Nikolai Kapustin (geb. 1937)
Klaviersonaten Nr. 4-6 + Andante; 10 Bagatellen
Künstler: Nikolai Kapustin, Klavier
Label: Olympia , DDD, 1991


Viele Grüße
Frank
From harmony, from heavenly harmony
this universal frame began.

Matthias Oberg

Prägender Forenuser

  • »Matthias Oberg« ist männlich
  • »Matthias Oberg« wurde gesperrt

Beiträge: 815

Registrierungsdatum: 7. April 2008

11

Donnerstag, 24. Juli 2008, 15:13

Lieber Alfred, lieber Frank,

danke für Eure Tips. Diese beiden Cds waren mit auch noch nicht bekannt.

Zitat

Original von WolfgangZ
Hallo, Alfred, hallo, miteinander!

Danke für den neuen Plattentipp; mal schauen, ob es Überschneidungen gibt.

Für "Kitsch" und "Kommerz" fehlt Kapustin wohl doch ein größerer Bekanntheitsgrad und sind seine Kompositionen zu originell und eigenständig gearbeitet.

Ein (verglichen mit mir ausgeprägterer) Jazz-Kenner unter meinen Bekannten war allerdings der Meinung, stilistisch käme Kapustin dennoch ein paar Jahrzehnte zu spät. Das mag sein.

Dieser Kenner nannte das Jazz-Feeling Kapustins, verglichen mit Osborne, authentischer, seltsamerweise fand ich in irgendeiner Besprechung aber die gegenteilige Ansicht. Selbst scheint mir Kapustin härter, Osborne verspielter zu artikulieren; dies mag auch an den jeweiligen Stücken liegen. Einen wesentlichen Unterschied würde ich nicht feststellen wollen, schon gar nicht in wertender Hinsicht.


Lieber Wolfgang,

Auch ich finde Kasputin von "Kitsch" und "Kommerz" erfreulich frei. Bei der Situation des Jazz in der SU, der allenfalls geduldet wurde, bestand wohl auch keine Verführung zu "Kommerz".

Stilistisch finde ich Kapustin so originell, dass sich mir die Frage des "Zu-Spät-Kommens" nicht stellt. Diese Frage finde ich allenfalls bei reinen Epigonen angemessen. Aber ein Art Tatum oder Oscar Peterson bleiben einfach in ihrer Art unübertroffen. Diese beiden Einflüsse aus dem Jazz höre ich bei Kapustin besonders deutlich heraus, aber eben auf sehr eigene Art verarbeitet. Ferner höre ich auch Einflüsse von Erroll Garner, Chick Corea, Keith Jarrett und Paul Bley. Die drei letzteren sind ja dann wirklich auch schon moderner. Dies nur zu den Einflüssen vom Jazz her. Einen Einfluß Prokofievs u.a. gibt es natürlich auch.

Kapustins eigenes Spiel ist m.E. schon etwas "jazziger". Er hat eben jahrelang auch in Jazz-Bands gespielt. Dennoch werden m.E. auch Osborne und Hamelin sehr gut Kapustins Stücken gerecht.

:hello: Matthias
"Freiheit, Weitergehen, ist in der Kunstwelt, wie in der ganzen, grossen Schöpfung, Zweck." Beethoven

Pianomania

Schüler

  • »Pianomania« ist männlich

Beiträge: 116

Registrierungsdatum: 22. Oktober 2010

12

Mittwoch, 24. November 2010, 17:02

Ich konnte mich bis jetzt einfach nicht dazu bringen, die Kapustin Aufnahme mit Hamelin zuzulegen. Ich hatte diese Scheibe einmal in einem Musikladen für ca. 20 Minuten probe gehört und es hat bei mir einfach nicht zugesagt. Ich kann mit Kapustin im Moment einfach (noch) nichts anfangen, sorry :no:

Viele Grüsse
Pianomania

PS: und eigentlich höre ich ja hie und da auch gerne Piano Jazz und geniesse auch dessen Improvisationen...
"Die Welt ward ihm Klavier. In Terzen, Quinten, Oktaven sprang sein Denken, Dur und Moll spannte sein Herz."
Carl Sternheim